Seminarbericht

Gesundheitsfonds adé

Online-Seminar vom 12.10. - 23.10.09

Foto: pixelio | Claudia35
Foto: pixelio | Claudia35
Kein Thema emotionalisiert die Menschen wohl so wie die Gesundheitspolitik – vielleicht weil jeder Mensch jeden Tag krank werden kann und dann auf das System angewiesen ist. Auch die Politik leistete hierzu ihren Beitrag: Alle paar Jahre wird das Gesundheitswesen reformiert.

Stets werden die Reformen als „Jahrhundertreformen“ dargestellt und haben doch nur eine Halbwertszeit von wenigen Jahren. Zuletzt hatte die Große Koalition den Gesundheitsfonds eingeführt, der die Lösung aller Probleme sein sollte. Doch schon nach wenigen Monaten zeigten sich seine Schwächen: Mehr Bürokratie, Finanzierungslücken und Frust bei Patienten, Ärzten und Beitragszahlern sind allenthalben festzustellen. Mehr als ein Formelkompromiss der damaligen Koalitionäre scheint er nicht gewesen zu sein. Grund genug, das Thema als Seminarthema für die Virtuellen Akademie auszuwählen.

Unter dem Titel „Gesundheitsfonds adé“ diskutierten knapp 100 Teilnehmer, ob der Gesundheitsfonds durch eine Umgestaltung oder Weiterentwicklung noch zu retten oder ob ein alternatives Modell notwendig ist.

Die Meinung war eindeutig: Der Gesundheitsfonds ist ein Missgebilde, die schnellstmöglich wieder abgeschafft werden muss. Mehr Eigenverantwortung statt staatliche Verwaltung, eine Abkoppelung der Beiträge von den Einkommen und mehr Zeit für Ärzte für die Behandlung der Patienten wurden gefordert. Zudem müsse dem Missbrauch durch Leistungserschleichung Einhalt geboten werden.

Philipp Rösler | Foto: flickr/Liberale
Eine Alternative kann das liberale Prämienmodell sein – hier bekommen die Menschen Wahlfreiheit in Bezug auf den Versicherer, es entsteht ein echter Wettbewerb unter den Krankenkassen und eine Grundversorgung kann nicht nur für die jetzige Generation, sondern auch für kommende Generationen sichergestellt werden. Zudem wird die sozialstaatlich notwendige Umverteilung in das System verlagert, in das es auch hingehört – nämlich in das Steuersystem.

In der zweiten Seminarwoche diskutierten die Teilnehmer über die Strukturen im Gesundheitssystem, die Medizinischen Versorgungszentren und die Versorgung im ländlichen Raum. Auch hier wurden schwerwiegende Versäumnisse durch die Politik angeprangert, die sich unter anderem an ungerechten Entlohnungsstrukturen für Ärzte zeige.

Parallel diskutierten die Teilnehmer über die Zukunft des Gesundheitswesens und die Möglichkeiten, Wellness, Vorsorge und Behandlung miteinander zu verbinden. Auch hier soll nach Meinung der Teilnehmer die Eigenvorsorge einen stärkeren Raum einnehmen, um nicht die ohnehin begrenzten Budgets noch weiter zu belasten.

Ein wichtiger Gesichtspunkt war nach Ansicht vieler Diskutanten in diesem Zusammenhang auch der Bereich Bildung und Erziehung: Es müsse früh vermittelt werden, dass eine gesunde Lebensweise mit Bewegung und guter Ernährung essentiell seien. Auf diese Weise seien viele teure Behandlungen vermeidbar.

Fast wie bestellt, war zum Abschluss des Seminars aus den laufenden Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer neuen Bundesregierung zu vernehmen, dass die Liberalen künftig den Gesundheitsminister stellen werden und der Gesundheitsfonds in der bisherigen Form wohl sehr bald der Geschichte angehören wird. Die Gesundheitspolitik kann also liberaler werden und wird mit Sicherheit spannend bleiben.

Text: Patrick Arora

Programmablauf


12. - 14. OKTOBER:
Einführungsphase, Einlesen in das Material über den Gesundheitsfond, die liberalen Forderungen dazu oder die Konzepte der anderen Parteien)

15.- 18 OKTOBER:
Forenrunde 1. Themenschwerpunkt: Finanzierung des Gesundheitswesens. Moderation: Patrick Arora.

19.- 22.OKTOBER:
Forenrunde 2. Themenschwerpunkt: Struktureller Reformbedarf/Organisation des Gesundheitswesens. Moderation: Eva Scharbatke, Ärztin und liberale Gesundheitspolitikerin.

Seminarleitung


Patrick ARORA

Organisation


Johanna GABRIEL
Tel. 0331.70 19-192
E-Mail: johana.gabriel@freiheit.org

Studienleitung


Carsten JUNG
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
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