Wirtschaft nach der Krise

- Foto: pixelio | Birgit Schulz
Vom 30. November bis 11. Dezember 2009 fand das Online-Seminar „Wirtschaft nach der Krise“ der Virtuellen Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit statt. 123 Teilnehmer diskutierten über die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise.
Es wurden zum einen konkrete Entwicklungen, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise sowohl national als auch international angestoßen wurden aufgegriffen. Zum Anderen wurden theoretische Konzepte der Wirtschaftswissenschaften anhand der Debatte wie sich Märkte konstituieren und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind kritisch hinterfragt.
In den Foren wurde differenziert über das Wachstumsbeschleunigungsgesetzt diskutiert. Zum einen gab es klare Befürworter von Steuersenkungen, die zu neuem Wachstum führen sollen. Zum anderen wurde angezweifelt, ob solche durch Schulden finanzierte Steuersenkungen wirksam sein können. Dies führte unweigerlich zu Debatten über die Steuerfähigkeit des Staates und die Staatsquote in Deutschland. Denn was direkt genommen und zentral verteilt wird, kann nicht konsumiert, investiert oder gespart werden. Ein Blick auf die Verteilungskompetenz des Staats verrät die Defizite. In der Vergangenheit sind Investitionen in die Infrastruktur und Ausgaben für Bildung unterproportional zu anderen Posten angestiegen, so Ekkehard Köhler vom Walter Eucken Institut. Vergleicht man die Wachstumsraten seit Ende der 1960er Jahren mit der Entwicklung der Staatsquote und der Staatsverschuldung, dann zeigt sich, dass die Staatsverschuldung und eine steigende Staatstätigkeit mit geringerem Wachstum einhergeht.
Weitergeführt wurde die Diskussion von Steffen Hentrich vom Liberalen Institut über

- Experte Steffen Hentrich, Liberales Institut
Ein Beispiel ist, dass der Anteil an Langzeitarbeitslosen in Deutschland, die schon zu konjunkturell günstigen Zeiten aufgrund von Qualifikationsmängeln, räumlichen Angebots-Nachfrage-Lücken und anderen Arbeitsmarktdefiziten keinen Arbeitsplatz erlangen konnten, bei 53 % liegt. Heutige komplexe Arbeitsanforderungen lassen sich weniger gut als vor einigen Jahrzehnten innerhalb kürzerer Zeit von Arbeitskräften mit unangepassten Qualifikationen erfüllen. Steffen Hentrich brachte es auf den Punkte: „Was alle keynesianischen Politikmodelle seitens der praktischen Politik vor allem eint, ist eine praktizierte Theorielosigkeit, verbunden mit einer ausgesprochenen Steuerungsillusion.“

- Das Diskussions-Forum
wurde auf Basis folgender Prämissen geführt: Märkte sind, so der Ausgangspunkt, hochgradig voraussetzungsvolle Arenen sozialen Handelns, die nur funktionieren können, wenn institutionellen Strukturen, soziale Netzwerke und Sinnhorizonte aufeinandertreffen und komplementär funktionieren. Die Ordnungspolitik geht auf diesen erweiterten Wirtschaftsakteur ein. Beobachtbar in der Praxis sind diese Modell des sozial konstruierten Marktes in der Phase nach der Krise. Wahrscheinlich werden sich die USA schneller und mit einem höheren Wachstum aus der Krise herausarbeiten. Während koordinierte Marktwirtschaften, wie wir sie in Deutschland, Frankreich aber auch in Japan vorfinden, die Entwicklung langsamer vollziehen werden. Das bedeutet dann aber auch, dass die soziale und politische Einbettung in den jeweiligen Staaten sehr wohl Auswirkungen auf die Art des wirtschaftlichen Erfolgs und auf die Ausgestaltung von Politik und Wirtschaft hat.
Die Reden der diesjährigen Nobelpreisträger für Wirtschaft Oliver E. Williamson und Elinor Ostrom unterstreichen die Komplexität von wirtschaftlichem Handeln. Die Ebene auf der effektive Steuerung stattfinden kann, ist laut Elinor Ostrom immer eine dezentrale. Lokale Communities sind effizienter und effektiver in der Problemlösung als große zentralisierte Bürokratien. Für die Wirtschaft nach der Krise lässt sich feststellen, dass wir zwar eine Regulierung der Finanzmärkte, eine Stärkung der G-20 und eventuell des IWF benötigen. Aber die Wissenslücken solcher supranationaler Institutionen sind zu groß. Deshalb sind Arrangements, wie wir sie in Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft haben, auch weiterhin Erfolgsmodelle, wenn sie anpassungsfähig bleiben.
Seminarprogramm
Seminarleitung
Andreas SCHAUMAYER
Studienleitung
Joachim SCHULTE
Seminarorganisation
Christine BLASBERG, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Telefon: 0331/7019200, e-Mail: christine.blasberg@freiheit.org






