Seminarbericht
Kommunalpolitik aktuell-Kampagne vor Ort

- Foto: flickr | mediaparker
„Ich mag keine Vertreterbesuche an der Haustür, ich mag keine nervigen Telefonanrufe, wo mir jemand etwas verkaufen will. Das Eindringen in die Privatsphäre halte ich nicht für sinnvoll“, mit diesen Worten wehrte sich eine Teilnehmerin gegen die vehement vorgebrachten Argumente anderer Seminarteilnehmer für ein intensives so genanntes „Canvassing“. Kommunikationsexperten verstehen unter diesem Begriff, dass Parteien in Wahlkämpfen ihre Kandidaten von Haustür zu Haustür ziehen lassen, um sich dort dem Bürger vorzustellen. Damit haben einige Teilnehmer offenbar nur gute Erfahrungen gemacht. Ein Teilnehmer etwa schrieb: „Alle Kollegen, die das erstmalig gemacht haben, haben festgestellt, dass man nur so die Bedürfnisse und Wünsche der Bürger mitbekommt.“ Der streitbare Liberale fragt denn auch „was hat das mit Eindringen in die Privatsphäre zu tun?“
Erfolgreich mit diesem Instrument war Seminarexperte Joachim Stamp, der fest vom „Klinkenputzen“ überzeugt ist: „Bei einer Kommunalwahl gehören Hausbesuche zu den wirkungsvollsten Mitteln, gerade wenn es um einen neuen Kandidaten geht, der sich vorstellt.“ Zum zweiten Mal gewann Stamp bei den Kommunalwahlen 2009 seinen Bonner Wahlkreis – dieses mal mit satten 67.6 Prozent und somit über 20 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Auch hätten die Kandidaten die höchsten Zuwächse erzielt, die dieses Instrument konsequent einsetzen. Er warnt aber auch: „Man kann bei Hausbesuchen auch viel verkehrt machen“. Wichtig sei, dass die Bürger einerseits ein ernsthaftes Interesse des Kandidaten spüren, der Hausbesuch andererseits auch nicht lästig ist. „In vier von fünf Fällen reagieren die Leute sehr positiv. Einige sind eher neutral. Richtige Abweisungen erlebe ich sehr selten“, beschreibt der Bonner Liberale seine Erfahrungen. Seiner Einschätzung nach dauern die meisten dieser Hausbesuche etwa ein bis zwei Minuten – in aller Regel vor der Haustür.
Die intensive Kommunikation in der realen Welt wird durch die immer intensivere Kommunikation in der virtuellen Welt ergänzt. „Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie sich am meisten aufhalten, nämlich in den sogenannten Sozialen Netzwerken wie Facebook“. Die Experten waren sich einig: Den neuen Formen der Kommunikation im Internet („Web 2.0“), zum Beispiel dem Dienst Twitter, gehört auch ein Teil der Zukunft, wenn auch der Stratege der FDP-Bundesgeschäftsstelle, Helmut Metzner, ein wenig Wasser in den Wein schüttete "Meine Erfahrung mit Twitter ist: alle wollen schreiben, kaum einer will lesen.“ Wichtig sei in jedem Fall die Echtheit. Die jungen Bundestagsabgeordneten etwa lebten ein Stück weit mit diesen Netzwerken. Für diese sei die Kommunikation über diese Kanäle passend. Ein anderer Teilnehmer brachte die Twitter-Kritik auf den Punkt: „Mir geht dieser Web-2.0-Hype ziemlich auf den Senkel. Statt Hausbesuche zu machen, verschwenden liberale Nerds („Computerfreak“, „Eigenbrötler“) ihre Zeit bei der virtuellen Selbstbefriedigung mit Parteifreunden.“ Es war eine Teilnehmerin, die zum versöhnlichen Abschluss die Notwendigkeit eines „Media-Mix“ feststellte: „Ich denke mal, man sollte keine Seite vernachlässigen, auch die Nerds nicht. Jeder sollte da die Leute abholen, wo er sich wohl fühlt. Die einen bei Hausbesuchen, die anderen am Infostand und andere eben im Netz.“
Die Reihe „Kommunalpolitik aktuell“ der Virtuellen Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit wird 2010 fortgesetzt. „Kampagne vor Ort – Meilensteine zum Erfolg“ ist das Thema des nächsten Online-Seminars unter der Leitung von Oliver Stirböck, das vom 1. bis 14. Februar 2009 stattfindet. Die Anmeldung zu dem kostenfreien Online-Seminar ist ab sofort möglich.
Außerdem möchten wir Sie auf weitere kommunalpolitische Veranstaltungen hinweisen.
9. Januar 2010: Fit für den Rat - Einstieg in die Politik. Tagesveranstaltung in Brakel
Weitere Informationen
15. bis 17. Januar 2010: Neu in der Politik. Liberale ergreifen Partei.
Wochenendseminar in Gummersbach.
Weitere Informationen.
Foto: pixelio I sternschnuppe 1
Seminarleitung
Oliver Stirböck
Studienleitung
Christine BLASBERG
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit






