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Afghanistan's future: which role does civil society play?

Zwischen dem 07. und 12. Juni 2010 fand das Onlineseminar Afghanistan's future: Which role does civil society play? mit 134 Teilnehmern in englischer Sprache statt. Es konnten eine Reihe von hochkarätigen Experten gewonnen werden.

(c)timotheos I flickr
Dr. Stefan Schütte von der Freien Universität Berlin führte sehr anschaulich in die Geschichte des Landes und die regionale Situation ein. Dabei beleuchtete er besonders die momentane Situation vor dem Hintergrund der jüngsten Geschichte Afghanistans.

Martin Kipping vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wies in seinem Videostatement darauf hin, dass man Afghanistan nicht ausschließlich auf den alles dominierenden Militäreinsatz beschränken dürfe, sondern auch den zivilen und wirtschaftlichen Wiederaufbau in der Schaffung von Bildungseinrichtungen sowie dem Aufbau einer medizinischen Versorgung betrachten und diesen ausbauen müsse.

Der freie Journalist Willi Germund schilderte die isolierte Position Deutschlands in Afghanistan. Eine unklare Aufgabendefinition, unzureichende Vorbereitung und die Bündnistreue als einziger Grund für die Teilnahme an der Operation hätten zu dieser Situation geführt. Die Regierungsstellen seien in keiner Weise mit der Koordination des Auslandseinsatzes zu Rande gekommen. Man habe die Bestechlichkeit unterschätzt und habe durch die eigene Bürokratie immer wieder von vorne anfangen müssen. In der Außendarstellung der Regierung sei den Einsatz immer ein humanitärer Einsatz gewesen. Spätestens nach den ersten deutschen Opfern jedoch sei diese Strategie unhaltbar geworden. Fortan hätten sich die Deutschen immer weiter eingeigelt und ihre Kontakte auf ein Minimum reduziert, was einen dramatischen Rückgang des deutschen Einflusses in der Region zu Folge habe.

Dr. Citha Maass von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) beschrieb die aufständischen Gruppen, zu denen nicht nur Taliban gehörten, als die bislang größten Feinde des Wiederaufbaus. Die ständig wachsende Kriminalität in allen Landesregionen, insbesondere Entführungen, seien derzeit ein großes Problem, ebenso wie die Unterwanderung der Behördenstruktur durch die Ausweitung des Machtbereichs des Präsidentenclans um Hamid Karzai. Von dessen umfangreichen System persönlicher Abhängigkeiten profitierten insbesondere Karzais Brüder in finanzieller Weise. In dieses System seien inzwischen auch ehemalige Kriegsfürsten eingebunden, die in direkter Verbindung mit dem Drogenhandel stünden. Karzai baue somit eine parallele Machtstruktur auf, die den Aufbau der bislang schwachen Institutionen noch weiter schwäche.

Die Londoner Konferenz habe einen gesichtswahrenden Abzug aller Truppen ermöglicht. Präsident Karzai habe die selbständige Kontrolle des Landes ab 2014 zugesagt, woraufhin die USA ihren Rückzug zwischen 2011- 2014 festgelegt hätten. Ein Abzug sei jedoch ohne die gleichzeitige Verstärkung der nichtmilitärischen Institutionen sowie einer entsprechenden Vorbereitung der afghanischen Bevölkerung nicht zu machen. Wichtig sei, die ohne Zweifel vorhandenen qualifizierten Menschen in Afghanistan derart zu stärken dass sie den regionalen Kriegsfürsten und dem Patronagesystem widerstehen könnten. Allerdings benötige dieser Prozess sicherlich mehrere Generationen. Dr. Conrad Schetter vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) in Bonn stellte die Frage, welche Zivilgesellschaft denn gemeint sei, wenn man diese für Afghanistan fordere. Die dortige Gesellschaft basiere sehr stark auf Clanstrukturen. Es gebe zwar an der Oberfläche zivilgesellschaftliche Elemente, diese seien aber nicht tiefgreifend in der Gesellschaft verwurzelt. Daher widersprächen sich die Forderungen vieler NGOs nach mehr zivilgesellschaftlichen Strukturen mit deren eigenem Vorgehen im Lande. Wollten sie erfolgreich sein, müssten sie immer auf die Clanstrukturen zurückgreifen. Schetter bemängelte, man habe sich im Laufe der vergangenen Jahre zu sehr auf den Aufbau einer Staatsstruktur konzentriert und den Aspekt der Zivilgesellschaft zunehmend vergessen. Auch heute noch rede man viel von Stabilität und wenig von Staatenbildung. Im Laufe der Zeit sei die Vision einer Zukunft für Afghanistan völlig verlorengegangen. Es gelte daher, eine neue Vision für das Land zu erstellen. Dieses Mal sollten aber nicht ausschließlich westliche Modelle der Zivilgesellschaft übertragen werden, sondern unter Mithilfe afghanischer Intellektueller ganz offen neu erarbeitet werden, um nachhaltig zu sein. Dabei dürfe man sich nicht zu sehr auf die Forderungen der NGOs konzentrieren, sondern müsse den Gesamtprozess im Lande im Auge haben.

Studienleitung:
Carsten JUNG
Virtuelle Akademie

Seminarleitung:
Patrick ARORA

Seminarorganisation:
Christine BLASBERG
Virtuelle Akademie
christine.blasberg[at]freiheit.org
Bildnachweis: (c) pixelio.de I timotheos
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